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Magnetbahnen sind eine relativ moderne Form des Transports, die Fahrzeuge über elektromagnetische Kräfte in die Schwebe bringt, sie steuert, antreibt und bremst.

Magnetschnellbahnen sind ein technologischer Sprung in der Entwicklung der spurgeführten Verkehrssysteme.

Dennoch: Eine Realisierung von Magnetschnellbahnen erscheint grundsätzlich nur dann berechtigt, wenn auf Basis strukturierter, glaubwürdiger Fakten belegt werden kann, dass ein solcher Sprung insgesamt gesellschaftlich sinnvoll und zukunftsförderlich sein kann. Eine solch weit reichende Bewertung und Entscheidung zur Zukunft der Magnetschnellbahntechnologien können derzeit jedoch nur wenige Verkehrspolitiker oder Bürger kompetent treffen, da – anstelle prüfbarer Fakten – ein Gemenge von verzerrten und lückenhaften Informationen die Diskussion bestimmt.

  • Bei Aspekten, bei denen Magnetschnellbahntechnologien anderen Hochgeschwindigkeitssystemen oder dem Flugzeug objektiv überlegen sind, ist dies in der Öffentlichkeit immer noch kaum bekannt (z.B. bei relativer Schallemission, Beschleunigung, Taktdichte, Betriebskosten, Komfort, Sicherheit).

  • Bei Themen, bei denen die Magnetschnellbahntechnologien derzeit anders oder schlechter abschneiden als üblicher Weise erwartet, wird dies meist durch unvollständige oder ‚kreative’ Darstellungsweisen versteckt (z. B. Energieverbrauch bei niedriger Geschwindigkeit, bisher (unnötig) mangelnde Ästhetik des aufgeständerten Fahrwegs, absolute Schallemission bei Hochgeschwindigkeit).

Hinzu kommt, dass wichtige technologische Weiterentwicklungspotenziale der Magnetschnellbahntechnologien außerhalb von Expertenkreisen so gut wie unbekannt sind. Die objektiv große Relevanz von Hochtemperatur-Supraleitung (Beispiel Japan Maglev) und neuen Werkstoffen (u.a.) bei der weiteren Entwicklung der Magnetschnellbahnen erscheint verkannt oder ignoriert.

Auch wegen der mehrmaligen Realisierungsrückschläge in Deutschland (Hamburg – Berlin, Metrorapid, u.a.) scheint noch immer wenig beachtet, dass eine eventuelle Realisierung von Magnetschnellbahntechnologien nicht nur mit systemtechnischen Vorzügen begründet werden kann, wenn Akzeptanz in Bevölkerung und Politik gewonnen werden soll.

Eine Innovation, die, wie im Falle der Magnetschnellbahnen, sehr grundsätzlich auf die Art der Mobilitätsgestaltung Einfluss nehmen kann, bedarf zwingend einer breiten, vielfältigen und interdisziplinär geprägten Diskussion, um eine insgesamt hinreichend fundierte Meinungsbildung zu begünstigen.

Spurgeführter Hochgeschwindigkeitsverkehr kann fast ausschließlich nur mit Argumenten von Klimaschutz, Komfortvorzügen (gegenüber Flugzeug, Bus) sowie raumplanerischen Entwicklungsstrategien begründet werden (Reurbanisierung, Metropolenbildung, Vernetzung, Raum der Ströme, Global Cities etc.). Dies sind volkswirtschaftlich zu bewertende Aspekte – keine betriebswirtschaftlich fassbaren Größen. In diesem Sinne ist auch die Abwägung zur Innovation der Magnetschnellbahnen primär eine nach volkswirtschaftlichen und verkehrspolitischen Kriterien zu entscheidende Frage.

Aus einer verkehrsgeographischen Sicht gibt es angesichts der bestehenden, wohl eher irrationalen Fixierung auf den Rad-Schiene-Hochgeschwindigkeitsverkehr derzeit nur noch wenige Korridore, die für interurbane Hochgeschwindigkeit mit Magnetschnellbahnen potenziell noch verfügbar und sinnvoll erscheinen. Allerdings wird sich mit Ablauf der Lebensdauer von Rad-Schiene-Hochgeschwindigkeitstrassen die Systemfrage erneut – und wahrscheinlich sogar deutlich früher als gemeinhin erwartet – stellen.

Die Frage ist allerdings, ob beim Bau weiterer transeuropäischer Hochgeschwindigkeitstrassen (TEN, PAN) weiterhin die Rad-Schiene-Technik verwendet, oder auf das neue System der Magnetschnellbahnen gesetzt werden sollte. Aus Sicht des International Maglev Board ist hier eine differenzierte Herangehensweise nötig. In vielen Fällen scheint die Schließung von bestehenden Rad-Schiene-Netzlücken unter Beibehaltung der Rad-Schiene-Technik zwischenzeitlich zweckmäßig.

Neue Korridorstrecken allerdings, wie z.B.

  • der paneuropäische Korridor IV (Berlin – Prag – Wien – Budapest),
  • der UK-Korridor (London – Liverpool – Glasgow),
  • die Trasse Amsterdam – Berlin – Warschau,
  • die brasilianische Strecke Rio de Janeiro - Sao Paulo,
  • die US-amerikanischen Hochgeschwindigkeitsprojekte in Kalifornien und an der Ostküste,
  • die indischen Projekte zwischen großen Metropolen wie z.B. Mumbai und Delhi,

sollten im Hinblick auf Magnetschnellbahnen einer konstruktiven Betrachtung unterzogen werden.

Wenn aus volkswirtschaftlichen Gründen der Bau von Hochgeschwindigkeitskorridoren als sinnvoll gilt und realisiert werden soll, so sollte die Frage der Verkehrssysteme (ICE/TGV oder Magnetschnellbahn) in einem unvoreingenommenen, ergebnisoffenen Entscheidungsverfahren betrachtet werden. Magnetschnellbahnen sollten sich hier in einem harten, fairen, qualitativen Wettbewerb gegen bestehende Rad- Schiene-Technik behaupten müssen.

Die vorliegenden Daten zeigen, dass sich bei einem solchen qualitativen Wettbewerb insgesamt durchaus gute Chancen für die Magnetschnellbahntechnologien erwarten lassen. Sollte die Magnetbahn als eine neue, grenzüberschreitende Verkehrstechnologie eine Chance bekommen, könnte dies erhebliche ökonomische und ökologische Veränderungen bewirken. Deutliche Hinweise auf solche Wirkungen können inzwischen konkrete Entwicklungen speziell in Asien geben, die es sorgsam zu beobachten und zu analysieren gilt.

Jedes Maglev-System hat seine eigenen Vorteile, die für verschiedene Anwendungen genutzt werden können, z. B. im Hochgeschwindigkeitspassagier- oder Güterverkehr (Container) oder als regionals bzw. lokales städtisches Pendlersystem.

Der deutsche Transrapid Maglev und der japanische Maglev MLX sind zwei der führenden Maglev-Systeme im Hochgeschwindigkeitsverkehr. Der Transrapid in Shanghai ist seit 2004 erfolgreich im kommerziellen Einsatz.

Die japanischen Linimo Maglev, der Changsha Urban Maglev und der koreanische Ecobee Rotem Maglev werden im Regional- und Stadtverkehr eingesetzt.

 


(Text in enger Anlehnung an Joh. Klühspies: "Zukunftsaspekte europäischer Mobilität - Perspektiven und Grenzen einer Innovation von Magnetschnellbahntechnologien". Habilitationsschrift an der Universität Leipzig)